DAMALS – Geschichte einer Transportbox

Neulich erreichte mich folgender Bericht von unserem Aussenstellenarchivar Hans-Christian:

1955 führte die Herman G. Goldth KG den Goldthtainer ein: Eine simple, endig gesickte Blechkiste. Der Fracht- oder Schiffscontainer wurde für den internen Werksverkehr eingeführt, aber zunächst abschätzig als „Schachtelschiff“ apostrophiert. Dennoch setzte er sich bald auch für andere Transporte durch − gegen starken Widerstand der Hafenarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze fürchteten.

Es gab den Goldthtainer in den Längen 9,75 / 19,5 und 39 Fuß.

Ein Jahr später sollte Malcom McLean das System kopieren und durch geringfügige Abänderung der Längenmaße alle Patente umgehen. Durch billigere Ausführung und ein attraktives Bonuspunkte-Programm gelang es ihm, seinem System zum Durchbruch zu verhelfen.

Hauptsächlich im Ostblock und auf Kuba hatte der Goldthtainer aber weiterhin treue Freunde, was in der dortigen Amerika-Skepsis begründet lag. Unsere Bilder stammen von einem Lastzug der rumänischen Staatsspedition, der – noch im letzten Jahr – in den vorderen Karpaten Goldth-Zichten ohne Steuermarke beförderte.

Natürlich waren wir sehr erfreut, nicht nur Bilder eines Reliktes unserer Firmengeschichte überstellt bekommen zu haben, sondern auch darüber, daß dieser geschichtsreiche Container noch existiert. Uns fiel sofort die Lackierung des Containers auf. Der auffällige Pepitastreifen findet eigentlich nur in der Rennsportabteilung Verwendung. Es galt nun zu klären, wieso dieser Container mit dem Pepita ausgerüstet war. Es begannen lange Nächte in staubigen Archiven. Und tatsächlich wurde ich fündig:

Rudi Goldth ließ für die bekannte Rallye Carrera Panamericana 1954 eine Transportbox aus Stahl anfertigen, den sogenannte ÜTB (Überseetransportbox). Dieser sollte seinen niegelnagelneuen Mercedes-Benz 180d, mit dem er erfolgreich an der Rallye teilnahm, zur Veranstaltung nach Mexico transportieren. Diese Box wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Prototyp für die spätere Patentanmeldung verwendet.
Über den Verbleib diese ÜTB war bis heute nichts bekannt. Auf welchem Wege sie nach Rumänien gelangt ist, konnten wir im Firmenarchiv nicht in Erfahrung bringen. Nach einigen Versuchen als Prototyp wurde die ÜTB auf den Schrottlagerplatz der Firma Nordschrott verbracht. Der weitere Lebensweg blieb im Dunkeln. Es ließ sich noch in Erfahrung bringen, daß die ÜTB bei Nordschrott nicht eingeschmolzen wurde. Die hohe Qualität erkennend wurde die ÜTB nach Amerika an einen Unbekannten veräußert im Tausch gegen einen LKW amerikanischer Produktion.

Es konnte nicht geklärt werden, wie die ÜTB ihren Wag nach Rumänien gefunden hat.

Wir hatten die Angelegenheit schon fast wieder vergessen als der Freund der Firma, Eberhard W. mehr zufällig als gewollt auf die folgenden interessanten Informationen stieß. Er konnte herausfinden, daß es sich bei dem unbekannten amerikanischen Käufer der ÜTB um Wernher von Braun handelte, der mit dem Bruder des Schrottpressenbedieners Klaus Clausen zusammen die Schulbank gedrückt hatte. Er wollte die ÜTB für eines seiner Raketenexperimente verwenden. Eberhard W. brachte folgende spektakuläre Randnotiz der Weltgeschichte ans Tageslicht:

Aus einem amerikanischen Wohnwagenforum liegt mir der Bericht vor, dass die ÜTB als Quarantäne-Box angedacht war für die Apollo-Missionen. Aus Gründen, die nicht näher ausgeführt wurden, entschied man sich in letzter Minute für einen einheimischen Hersteller, hätte es etwas seltsam ausgesehen, wenn Nixon seinen Astronauten in einem fensterlosen Blechkasten hätte zuwinken müssen. Er hätte sie nicht gesehen, sie hätten ihn nicht gesehen. Dies hätte kein medienwirksames Foto ergeben. Aus der Not geboren nahm man den nächstbesten, handelsüblichen Airstream-Wohnwagen.

Einige Jahre später war dem rumänischen Diktator Ceauşescu sehr an einer rumänischen Mondmission gelegen. Leider hatten sein Spion (der später als Tennispromoter Karriere machen sollte) nur Zugang zu veraltetem Material, bei dem noch die ÜTB eingeplant war. Man war hoch erfreut, als die Box auf dem Schrottplatz eines Landsmanns in Fort Myers herrumstand und überführte sie nach Hermannstadt, dem Peenemünde der Karpaten. Man hielt dies für eine gute Grundlage für das Reengineering, konnte man so das Projekt doch von hinten aufrollen. Wie bekannt, endete die erste rumänische Mission in einem Desaster, die Rakete „Roman“ mit der Sonde „Sandero“ durfte nie starten, da sie zwar die Partikelgrenzwerte einhielt, ohne entsprechenden Filter aber nicht vermarktungsfähig war.

Euer

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